Fälschungen und Plagiate: Ist Amazon noch zu kontrollieren? Ein Video, das aufwühlt, gefunden auf „MARKTCHECK“ beim SWR.

Amazon ist (für uns nicht nachvollziehbar) eine der ersten Adressen, wenn es um den Kauf von Waren im Internet geht.

Zwei Drittel aller Kunden führt hier die Suche direkt zum Ziel. Ist das gewünschte Produkt nicht sofort verfügbar, sind viele sogar bereit zu warten – statt sich woanders umzusehen.

Doch nicht immer ist Amazon am billigsten und oft ist nicht Amazon der Verkäufer: Mehr als die Hälfte aller Käufe findet bei Drittanbietern statt. Und genau hier beginnt das Problem.

Ein Marktplatz als Herberge für schwarze Schafe

Die Öffnung des Marktplatzes für Drittanbieter hatte für Amazon Österreich, Deutschland und Co. einen ausgesprochen positiven Effekt: Die Auswahl konnte deutlich vergrößert, der Umsatz durch Provisionen weiter gesteigert werden. Auch Kunden scheinen von der Erweiterung des Sortiments zu profitieren. Es gibt fast nichts, was hier nicht gefunden werden kann. 

Leider ist es nicht immer Gold, das glänzt. 

In einer Dokumentation zeigen Claus Hanischdörfer und Jörg Hommer nun, dass sich viele schwarze Schafe auf dem Marktplatz tummeln. In der Folge können fragwürdige Produkte und gefährliche Kosmetikartikel zum Kunden gelangen.

Hier das sehenswerte Video, welches auf einigen deutschen TV-Sendern zu sehen war und das eindringlich dazu auffordert, Amazon zu kontrollieren.

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden gerechte Beute solcher Machenschaften.“
John Ruskin  (1819–1900)

Der Einkauf kann lebensgefährlich werden

Im Rahmen ihrer Dokumentation haben die Autoren eine Reihe von Einkäufen bei Anbietern vorgenommen, die auf dem Amazon Marketplace tätig sind. Diese Produkte wurden von Experten untersucht. 

Das Ergebnis ist alarmierend: 

Viele Artikel hätten unter Berücksichtigung der hier geltenden Vorschriften gar nicht verkauft werden dürfen.

Amazon Marktplatz - schwarze Schafe
Solange es „nur Schmerzen“ sind und keine multiresistenten Keime, nimmt man diesen „kosmetischen Mangel“ in Kauf.

So verletzten die meisten Kosmetikprodukte allgemeine Kennzeichnungspflichten und ließen Warnhinweise vermissen. In einem Haarwuchsmittel konnten zudem multiresistente Keime nachgewiesen werden, deren Anzahl den zulässigen Grenzwert deutlich überschritt. Im Kfz-Bereich entpuppten sich alle getesteten, als Original ausgewiesenen Ersatzteile als minderwertige Plagiate, deren Einbau Experten nicht empfehlen können. 

Erschreckend ist auch das Ergebnis der Überprüfung der zu Testzwecken gekauften Elektroartikel. Hier kann es zu einer Übertragung von Spannungen kommen – 

Lebensgefahr! 

Da hilft es auch nicht, wenn Käufer auf das bekannte CE-Zeichen vertrauen. Mit diesem signalisiert nämlich nur der Hersteller, dass er sich an die Normen hält. 

„Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.“ John Ruskin  (1819–1900)

Den Schaden haben die anderen

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Wenn wesentliche Ersatzteile nicht original sind, vor allem bei minderwertiger Qualität, kann es für Menschen lebensgefährlich werden.

Der Schaden, der durch Fälschungen und minderwertige Plagiate auf dem Marktplatz entsteht, ist groß. Logisch betrachtet wäre anzunehmen, dass Amazon haftet. Gerade das ist aber nicht der Fall. Der Online-Riese beruft sich darauf, lediglich als Plattform zu agieren – die Verantwortung läge demnach beim jeweiligen Verkäufer. Zwar kommt es durchaus zur Löschung fragwürdiger Produkte oder zur Sperrung der entsprechenden Anbieter, der Erfolg hält sich allerdings in Grenzen. So tauchen die beanstandeten Artikel oftmals binnen kürzester Zeit wieder auf. 

Und das ist noch lange nicht alles. 

Die Vorgehensweise von Amazon schadet auch Händlern und Wirtschaft. 

So macht die Dokumentation deutlich, dass Autohersteller unter der Konkurrenz durch chinesische Drittanbieter leiden. Sie bieten ihre Plagiate zu Preisen an, die nicht selten weit unter dem für Fachhändler gültigen Einkaufswert beim Großhändler liegen. Für den Kunden ist dies Grund genug, den Bestellbutton zu klicken. Dass es tatsächlich Partner gibt, die Originalware vertreiben, findet keine Berücksichtigung mehr. Besonders ärgerlich: jahrelang verkauften chinesische Händler über den Marktplatz ihre Waren an Kunden, ohne dafür Steuern an das zuständige Finanzamt zu zahlen. Amazon strich die Provisionen ein, wies die Anbieter allerdings nicht auf ihre Pflichten hin. Sie behielten ihr Geld für sich – Schaden: etwa eine Milliarde Euro pro Jahr. Amazon weist auch in diesem Punkt jegliche Verantwortung von sich. Die Pflicht zur Abführung der Steuern liege schließlich beim Verkäufer. Diesen unterstütze das Unternehmen in Form von Tools und Trainings.

„Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.“ John Ruskin  (1819–1900)m

Endlich sind Änderungen (in Deutschland) in Sicht

Gesetze, die Amazon zur Kontrolle aller auf der Plattform erhältlichen Produkte zwingt, gibt es nicht. Dafür aber wird seit 2019 jeder Händler und Betreiber einer Plattform in die Pflicht genommen: Eine Registrierung ist in Deutschland Pflicht. Wenn fortan ein Anbieter seine Steuern nicht zahlt, muss Amazon für den entstandenen Schaden haften. Die deutschen Behörden gewinnen damit ein Stück Kontrolle zurück – wann wird Österreich reagieren?. Wie wirkungsvoll das Gesetz schon jetzt ist, zeigt ein Blick auf nackte Zahlen. Waren es vor anderthalb Jahren lediglich 430 registrierte chinesische Hersteller, sind es inzwischen schon 14.000. Es ist dennoch ein kollektives Umdenken erforderlich, um den Marktplatz bei Amazon sicherer zu machen.

Quintessenz für uns

Was hier zu Recht dargestellt wird ist nicht der einzige Grund für uns, einen regionalen Marktplatz zu erstellen. Nur regionale Kooperation gibt dem lokalen Handel eine Chance gegen diese internationalen, teilweise unfairen und skrupellosen Riesen.

Abgesehen davon, dass die „steuerlich bevorzugt sind“ und wie ein Tornado über Europa fallen, veröden unsere Regionen durch das Sterben der Handelsbetriebe.

Regional einkaufen, beim lokalen Handel kaufen sichert Sie gegen alle oben angeführten Missstände und Risiken ab!

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